Chippen lernen: Technik und Übungen für sichere Chips
Vom Break80-Team · Aktualisiert Juli 2026
Der Chip ist der Schlag, den du auf einer Runde am häufigsten brauchst — und der am seltensten geübt wird. Wer chippen lernen will, hat eine gute Nachricht verdient: Kein anderer Golfschlag ist technisch so einfach und bringt gleichzeitig so schnell Schläge auf der Scorekarte. Ein solider Chip verwandelt einen verpassten Grün-Treffer in ein Par statt in ein Doppelbogey. In diesem Artikel bekommst du die komplette Chip-Technik: Setup, Bewegung, Schlägerwahl, die häufigsten Fehler und fünf Übungen, mit denen du deine Chips in wenigen Wochen verlässlich machst.
Was ein Chip ist — und wann du ihn spielst
Ein Chip ist ein kurzer Schlag rund ums Grün mit einer kurzen Flugphase und einer langen Rollphase. Der Ball fliegt flach über das Vorgrün, landet früh auf dem Grün und rollt dann wie ein Putt zur Fahne. Faustregel: Beim Chip ist der Ball länger am Boden als in der Luft.
Genau das unterscheidet ihn vom Pitch. Beim Pitch fliegt der Ball hoch, trägt den größten Teil der Distanz in der Luft und stoppt schnell. Der Chip ist das Gegenteil: wenig Luft, viel Roll. Wenn du die beiden Schläge sauber trennst, triffst du rund ums Grün bessere Entscheidungen. Die hohe Variante mit Flugbahn und Distanzkontrolle behandeln wir ausführlich im Guide zur Pitch-Technik.
Wann spielst du den Chip? Immer dann, wenn drei Bedingungen erfüllt sind:
- Du liegst nah am Grün, typisch innerhalb weniger Meter vom Grünrand.
- Zwischen Ball und Fahne liegt kein Hindernis — kein Bunker, kein hohes Rough, kein starker Hang.
- Du hast genug Grün zwischen Landepunkt und Fahne, damit der Ball ausrollen kann.
Die goldene Regel des kurzen Spiels lautet: Spiele den flachsten Schlag, der funktioniert. Ein rollender Ball ist berechenbarer als ein fliegender. Deshalb gilt die Reihenfolge: Putten, wenn möglich. Chippen, wenn Putten nicht geht. Pitchen nur, wenn du über etwas hinweg musst.
Das Setup: schmaler Stand, Gewicht vorn, Ball mittig
Der Chip wird zu 80 Prozent im Setup entschieden. Wenn die Ausgangsposition stimmt, ist die Bewegung fast schon ein Selbstläufer. So baust du dich auf:
Schmaler Stand. Deine Füße stehen deutlich enger als beim vollen Schwung — etwa eine Schlägerkopfbreite bis maximal hüftbreit auseinander. Du brauchst keine Stabilität für einen großen Schwung, sondern Präzision für eine kleine Bewegung.
Gewicht vorn — und es bleibt vorn. Verlagere etwa 60 bis 70 Prozent deines Gewichts auf den vorderen Fuß (bei Rechtshändern der linke). Das ist der wichtigste Punkt im gesamten Chip-Setup, denn er sorgt dafür, dass der Schläger in einer leicht absteigenden Bewegung auf den Ball trifft. Das Gewicht bleibt während des gesamten Schlags vorn. Es gibt beim Chippen keine Gewichtsverlagerung.
Ball mittig bis leicht hinter der Mitte. Für den Standard-Chip liegt der Ball in der Mitte deines Standes oder einen Ballbreite dahinter. Je weiter hinten der Ball liegt, desto flacher startet er und desto mehr rollt er.
Hände vor dem Ball. Der Griff zeigt Richtung vorderer Oberschenkel, der Schaft ist leicht Richtung Ziel geneigt. Diese Vorlage sichert den Treffmoment: erst Ball, dann Boden.
Näher an den Ball, Griff kürzer fassen. Stell dich etwas näher an den Ball als beim vollen Schwung und greife den Schläger ein paar Zentimeter weiter unten. Das gibt dir Kontrolle — der Chip ist näher am Putt als am Schwung.
Dieses Setup ist bewusst „unspektakulär". Es nimmt Dynamik aus dem Schlag heraus, und genau das willst du: Ein Chip lebt von Wiederholbarkeit, nicht von Kraft.
Schlägerwahl rund ums Grün: von PW bis Lob Wedge
Viele Golfer chippen jeden Ball mit demselben Schläger — meist mit dem Sand Wedge, weil es vertraut ist. Damit verschenkst du Präzision. Die Profis variieren den Schläger und halten die Bewegung konstant. Das ist deutlich verlässlicher als ein Schläger und zehn verschiedene Bewegungen.
Das Prinzip: Gleiche Technik, unterschiedlicher Loft, unterschiedliches Verhältnis von Flug zu Roll. Als grobe Orientierung für einen Standard-Chip von guter Lage:
| Schläger | Flug zu Roll | Typischer Einsatz | | --- | --- | --- | | Eisen 8 oder 9 | etwa 1 zu 3 | viel Grün zwischen dir und der Fahne | | Pitching Wedge | etwa 1 zu 2 | mittlere Distanz zur Fahne | | Gap Wedge (50–52 Grad) | etwa 1 zu 1,5 | weniger Grün zum Arbeiten | | Sand Wedge (54–56 Grad) | etwa 1 zu 1 | Fahne nah am Grünrand | | Lob Wedge (58–60 Grad) | mehr Flug als Roll | sehr wenig Platz, weiches Grün |
Diese Verhältnisse sind Richtwerte, keine Naturgesetze — sie hängen von Grüngeschwindigkeit, Gefälle und deinem Treffmoment ab. Der Punkt ist ein anderer: Wähle den Schläger so, dass dein Landepunkt immer gleich einfach ist — ein bis zwei Meter auf dem Grün, danach übernimmt der Roll. Du planst also rückwärts: Wo soll der Ball landen? Wie viel muss er danach rollen? Welcher Schläger liefert genau dieses Verhältnis?
Für den Anfang reicht eine vereinfachte Version: Lerne den Chip mit zwei Schlägern — Pitching Wedge für längere Rollwege, Sand Wedge für kürzere. Erweitern kannst du später immer noch.
Die Bewegung: Schultern führen, Handgelenke ruhig
Die Chip-Bewegung ist im Kern ein verlängerter Putt. Stell dir ein Pendel vor: Schultern, Arme und Schläger bilden ein Dreieck, das als Einheit hin- und herschwingt.
Die Schultern führen. Die Bewegung kommt aus einer kleinen Drehung von Schultern und Brustkorb — nicht aus den Händen. Das Dreieck aus Armen und Schultern bleibt intakt, der Rückschwung ist kurz und die Durchschwungbewegung mindestens genauso lang.
Die Handgelenke bleiben ruhig. Beim Standard-Chip gibt es kein aktives Anwinkeln und vor allem kein Auflösen der Handgelenke im Treffmoment. Die Hände bleiben passiv und führen den Schläger — sie schlagen nicht. Ein minimales, natürliches Mitgehen der Handgelenke ist in Ordnung; ein bewusster „Wurf" mit den Händen ist der Anfang fast aller Chip-Katastrophen.
Der Körper dreht leicht mit. Auch wenn die Bewegung klein ist: Dein Brustkorb dreht im Durchschwung Richtung Ziel. Wer den Körper einfriert und nur die Arme bewegt, wird unpräzise. Ein gutes Bild: Deine Gürtelschnalle zeigt am Ende des Chips leicht Richtung Fahne.
Der Kontakt: erst Ball, dann Boden. Durch das Gewicht vorn und die Hände vor dem Ball trifft der Schläger den Ball in einer flach absteigenden Bewegung. Du musst den Ball nicht „heben" — der Loft des Schlägers erledigt das von allein. Dein einziger Job ist es, die Schlagfläche sauber an den Ball zu bringen und durch den Ball hindurch zu beschleunigen.
Ein guter Chip fühlt sich fast langweilig an: kleine Bewegung, ruhige Hände, sauberer Klick. Wenn sich deine Chips spektakulär anfühlen, machst du wahrscheinlich zu viel.
Die häufigsten Chip-Fehler — und was dahintersteckt
Drei Fehler ruinieren die meisten Chips bei Amateuren. Alle drei haben denselben Ursprung: den Versuch, dem Ball zu „helfen".
Fehler 1: Aufschaufeln wollen. Der Klassiker. Im Treffmoment kippen die Handgelenke nach hinten, um den Ball in die Luft zu löffeln. Das Ergebnis: Der Schlägerkopf überholt die Hände, der Tiefpunkt wandert vor den Ball — und du triffst entweder den Boden zuerst (fetter Chip, Ball bleibt liegen) oder den Ball mit der Schlägerkante (dünner Chip, Ball schießt übers Grün). Die Lösung ist mental: Vertrau dem Loft. Der Schläger ist dafür gebaut, den Ball in die Luft zu bringen. Deine Hände bleiben im Treffmoment vor dem Schlägerkopf. Falls dich fette Treffer auch im langen Spiel plagen, findest du die tieferen Ursachen im Artikel über fette Schläge vermeiden — der Mechanismus ist derselbe.
Fehler 2: Kopf und Oberkörper heben. Du willst zu früh sehen, wo der Ball hinrollt, und richtest dich im Treffmoment auf. Damit hebt sich der gesamte Schwungbogen, und die Schlägerkante trifft den Ballmittelpunkt — der gefürchtete dünne Chip, der über das Grün fliegt. Die Lösung: Schau auf den Punkt, an dem der Ball lag, bis der Schlag komplett vorbei ist. Der Ball läuft nicht weg.
Fehler 3: Verzögern (Deceleration). Der Rückschwung ist zu lang, und du bremst instinktiv in den Ball hinein, um nicht zu weit zu schlagen. Ein bremsender Schlägerkopf ist unkontrollierbar — mal kommt der Ball zu kurz, mal wird er getoppt. Die Regel lautet: kurzer Rückschwung, beschleunigter Durchschwung. Wenn deine Chips zu lang werden, verkürze den Rückschwung — bremse niemals im Treffmoment.
Dazu kommt ein strategischer Fehler: die falsche Schlagwahl. Ein Lob Wedge von enger Lage über 20 Meter Grün ist kein Chip, sondern ein unnötiges Risiko. Wähle die flache, langweilige Variante — dein Score wird es dir danken.
5 Übungen für die Range und zu Hause
Chippen lässt sich fast überall trainieren — am Kurzspielbereich, im Garten und sogar im Wohnzimmer mit weichen Übungsbällen. Diese fünf Übungen decken alles ab, was ein guter Chip braucht.
1. Der Landepunkt-Drill. Leg ein Handtuch etwa ein bis zwei Meter auf das Grün (oder deine Zielfläche) und versuche, zehn Bälle in Folge auf dem Handtuch zu landen — egal, wohin sie danach rollen. Diese Übung trainiert die wichtigste Fähigkeit des Chippens: den Landepunkt kontrollieren. Der Roll ist Physik, die Landung ist dein Job.
2. Die Chip-Leiter. Leg drei Ziele in unterschiedlichen Entfernungen aus — zum Beispiel bei fünf, acht und zwölf Metern. Chippe abwechselnd auf alle drei, nie zweimal hintereinander auf dasselbe. So trainierst du Gefühl statt Mechanik und kommst dem Platz-Szenario nahe, wo jeder Chip anders ist.
3. Der Münz-Drill für zu Hause. Leg eine Münze auf den Teppich und mache Chip-Bewegungen, bei denen die Schlägersohle die Münze sauber „klickt", ohne in den Boden zu graben. Perfekt für den Treffmoment: Du lernst, den Tiefpunkt exakt zu platzieren — ganz ohne Ball.
4. Der Einhand-Drill. Chippe kurze Bälle nur mit der Führhand (bei Rechtshändern die linke). Das geht nur mit ruhigem Handgelenk und Körperdrehung — genau die Bewegung, die du willst. Zehn Bälle einhändig, dann fühlen sich beidhändige Chips sofort stabiler an.
5. Das Up-and-down-Spiel. Ein Ball, ein Wedge, ein Putter. Chippe auf die Fahne und putte aus. Ziel: den Ball in zwei Schlägen einlochen. Spiele neun „Löcher" von verschiedenen Positionen und zähle deine Erfolgsquote. Diese Übung verbindet dein Chippen mit dem Putten — denn auf dem Platz zählt nur die Kombination.
Wichtiger als die Übungsauswahl ist die Regelmäßigkeit: Zweimal 15 Minuten pro Woche schlagen jede Drei-Stunden-Session einmal im Monat. Wie du das kurze Spiel insgesamt strukturiert trainierst, zeigt dir der Artikel zum kurzen Spiel üben.
Chips per Video checken: Tiefpunkt und Gewicht sichtbar machen
Beim Chippen ist die Lücke zwischen Gefühl und Realität besonders groß. Fast jeder Golfer, der aufschaufelt, ist überzeugt, die Hände ruhig zu halten. Fast jeder, der das Gewicht nach hinten fallen lässt, fühlt sich „stabil". Genau deshalb lohnt sich der Blick von außen.
Film deine Chips seitlich (Face-on, also von vorn auf deine Brust gerichtet) und prüfe drei Dinge:
- Gewicht im Treffmoment: Ist deine Hüfte über oder vor dem Ball — oder lehnst du nach hinten?
- Schaftneigung im Treffmoment: Sind die Hände vor dem Schlägerkopf, oder hat der Kopf die Hände überholt (das klassische Aufschaufel-Bild)?
- Tiefpunkt: Berührt der Schläger den Boden auf Höhe des Balls oder erst danach — oder schon davor?
Mit einer Analyse-App wie Break80 kannst du dein Chip-Video in Zeitlupe durchgehen und bekommt konkrete Hinweise darauf, ob Gewichtsverteilung und Treffmoment stimmen. Zwei oder drei gefilmte Chips pro Übungseinheit reichen — es geht nicht um Perfektion in jedem Frame, sondern darum, die eine große Abweichung zu finden, die deine Chips unzuverlässig macht.
Dein 20-Minuten-Chip-Training für diese Woche
Zum Schluss ein konkreter Plan, den du diese Woche zweimal durchziehst. Du brauchst: ein Pitching Wedge, ein Sand Wedge, zehn Bälle, ein Handtuch und den Kurzspielbereich deiner Anlage.
Minuten 1–4: Setup und Treffmoment. Fünf Chips mit dem Pitching Wedge auf ein nahes Ziel. Vor jedem Ball die Checkliste: schmaler Stand, Gewicht vorn, Ball mittig, Hände vor dem Ball. Achte nur auf sauberen Kontakt — erst Ball, dann Boden.
Minuten 5–10: Landepunkt-Drill. Handtuch auf ein bis zwei Meter hinter den Grünrand legen. Zehn Bälle mit dem Pitching Wedge, Ziel: mindestens sechs Landungen auf dem Handtuch. Notiere dein Ergebnis.
Minuten 11–15: Schlägerwechsel. Dieselbe Übung mit dem Sand Wedge, gleiches Handtuch. Beobachte bewusst, wie viel kürzer der Ball rollt. Damit baust du dein Gefühl für die Flug-Roll-Verhältnisse auf.
Minuten 16–20: Up-and-down-Spiel. Vier Bälle von vier verschiedenen Positionen rund ums Grün. Freie Schlägerwahl, danach wird geputtet. Zähle, wie oft du maximal zwei Schläge brauchst.
Zwei Durchgänge pro Woche, vier Wochen lang — und notiere jedes Mal deine Landepunkt-Quote und deine Up-and-down-Quote. Wenn beide Zahlen steigen, steigt dein Score automatisch mit. Der Chip ist der dankbarste Schlag im Golf: kleine Bewegung, kleiner Übungsaufwand, große Wirkung auf der Scorekarte.