Putten lernen: Tipps und Übungen für weniger Drei-Putts
Vom Break80-Team · Aktualisiert Juli 2026
Kein Schlag im Golf wird so oft gespielt und so selten geübt wie der Putt. Auf einer durchschnittlichen Runde entfallen rund 40 Prozent aller Schläge aufs Grün — und trotzdem verbringen die meisten Golfer 90 Prozent ihrer Übungszeit auf der Range. Wenn du Putten lernen und vor allem Drei-Putts vermeiden willst, bekommst du hier alles, was du brauchst: die technischen Grundlagen, das Geheimnis der Längenkontrolle, sechs konkrete Puttübungen und einen Wochenplan, der in jeden Kalender passt.
Warum Putten der schnellste Weg zu besseren Scores ist
Rechnen wir kurz nach. Ein Golfer mit Handicap 20 braucht auf 18 Löchern häufig 36 oder mehr Putts — also im Schnitt zwei pro Loch, mit einer Handvoll Drei-Putts dazwischen. Wer diese Drei-Putts eliminiert und ein paar mittellange Putts mehr locht, spart auf einen Schlag drei bis fünf Schläge pro Runde. Ohne einen einzigen besseren Drive. Ohne neue Schläger. Ohne Schwungumbau.
Kein anderer Bereich deines Spiels bietet dieses Verhältnis von Aufwand zu Ertrag. Ein Schwungwechsel dauert Monate und fühlt sich lange schlechter an, bevor er besser wird. Putten kannst du zu Hause auf dem Teppich üben, und Fortschritte zeigen sich innerhalb von Wochen. Genau deshalb steht das Putten in jedem seriösen Plan zum Handicap verbessern ganz oben auf der Liste.
Noch ein Grund, der oft übersehen wird: Gutes Putten entlastet dein gesamtes Spiel. Wer weiß, dass er aus zwei Metern sicher locht, kann Chips und Annäherungen entspannter spielen. Der Druck wandert von jedem einzelnen Schlag weg — und entspannte Golfer schlagen bessere Bälle.
Grundlagen: Griff, Augen über dem Ball, Pendelbewegung
Die gute Nachricht vorweg: Es gibt beim Putten deutlich weniger „richtig" und „falsch" als beim vollen Schwung. Auf der Tour siehst du ein Dutzend verschiedener Griffe und Stände. Drei Grundprinzipien haben sich trotzdem bewährt, weil sie die Bewegung einfacher und wiederholbarer machen.
Der Griff: Handflächen gegeneinander, Handgelenke ruhig
Anders als beim vollen Schwung liegt der Putter nicht in den Fingern, sondern eher in den Handflächen. Beide Handflächen zeigen zueinander, der Griff verläuft durch die Lebenslinien. Das reduziert die Beweglichkeit der Handgelenke — und genau das willst du. Aktive Handgelenke sind beim Putten die häufigste Quelle für wackelige Schlagflächen und inkonsistente Längen.
Ob du klassisch, Cross-Handed (linke Hand unten) oder mit dem Zeigefinger über den Fingern der unteren Hand greifst, ist zweitrangig. Wichtig ist: leichter Griffdruck, etwa 3 bis 4 auf einer Skala von 10, und beide Hände arbeiten als Einheit.
Augen über dem Ball
Beuge dich im Setup so weit über den Ball, dass deine Augen ungefähr senkrecht über der Ball-Linie stehen. Der einfache Test: Nimm einen zweiten Ball, halte ihn an deinen Nasenrücken und lass ihn fallen. Landet er auf oder knapp innerhalb des Balls am Boden, passt deine Position. Stehen die Augen deutlich innerhalb oder außerhalb der Linie, verzerrt sich deine Wahrnehmung der Ziellinie — du zielst dann systematisch daneben, ohne es zu merken.
Die Pendelbewegung aus den Schultern
Der Putt-Schwung kommt aus den Schultern, nicht aus Händen oder Armen. Stell dir ein Dreieck vor, das deine Schultern, Arme und Hände bilden. Dieses Dreieck schwingt als Ganzes hin und her, wie ein Pendel an einer Standuhr. Der Bauch darf mitarbeiten, die Handgelenke bleiben passiv, der Kopf bleibt ruhig, bis der Ball weg ist.
Ein Pendel hat noch eine Eigenschaft, die dir hilft: Es beschleunigt gleichmäßig. Rückschwung und Durchschwung sind ungefähr gleich lang, das Tempo bleibt konstant. Ein kurzer, ruckartiger Stoß oder ein langer Rückschwung mit Abbremsen zum Ball — beides zerstört deine Längenkontrolle.
Längenkontrolle: die wichtigste Fähigkeit gegen Drei-Putts
Hier liegt der Kern des Themas. Die meisten Drei-Putts entstehen nicht, weil der erste Putt zwei Zentimeter neben der Linie war — sondern weil er zwei Meter zu kurz oder zu lang war. Aus 10 Metern ist die Richtung selten das Problem. Die Länge entscheidet, ob dein zweiter Putt ein Tap-in oder ein Zitterputt aus zwei Metern wird.
Deshalb gilt beim Üben eine klare Priorität: Länge vor Linie. Wer aus jeder Distanz zuverlässig in einen Radius von einem Meter um das Loch puttet, wird Drei-Putts fast vollständig los.
Längenkontrolle steuerst du über die Länge des Rückschwungs, nicht über das Tempo. Das Tempo bleibt immer gleich — ruhig und gleichmäßig, wie ein Metronom. Für einen kurzen Putt schwingt das Pendel kurz, für einen langen Putt lang. Sobald du versuchst, mit den Händen „mehr Gas zu geben", verlierst du die Wiederholbarkeit.
Zwei Dinge helfen dir dabei enorm:
- Kalibrieren vor der Runde. Kein Grün ist wie das andere. Nimm dir vor jeder Runde fünf Minuten auf dem Übungsgrün und putte lange Putts zu einem Ziel — nicht um zu lochen, sondern um das Tempo des Grüns in dein Gefühl zu laden.
- Zum Ziel schauen, nicht zum Ball. Bei langen Putts darfst du deine letzte Probeschwung-Serie machen, während du zum Loch schaust. Dein Gehirn koppelt die Distanz automatisch an die Schwunglänge — genau wie beim Zuwerfen eines Balls.
Linie lesen: Break, Bergauf, Bergab
Grünlesen wirkt wie eine Geheimwissenschaft, folgt aber ein paar einfachen Regeln.
Das große Bild zuerst. Schau dir das Grün schon beim Herangehen an: Wo ist der höchste Punkt, wohin würde Wasser ablaufen? Diese Gesamtneigung bestimmt 80 Prozent des Breaks. Aus der Nähe, hinter dem Ball in die Hocke, verfeinerst du nur noch.
Die letzte Rollphase zählt am meisten. Der Ball bricht am stärksten, wenn er langsam wird — also auf dem letzten Drittel zum Loch. Beurteile das Gefälle rund ums Loch besonders genau. Ein Putt, der auf den ersten Metern kaum bricht, kann am Ende noch deutlich abbiegen.
Bergauf und bergab verändern alles. Ein Bergauf-Putt darf mutiger gespielt werden: mehr Tempo, weniger Break, das Loch spielt effektiv größer. Bergab gilt das Gegenteil — der Ball rollt lange, bricht stärker und ein zu forscher Putt läuft weit vorbei. Faustregel: Bergab puttest du auf einen imaginären Punkt vor dem Loch und lässt den Ball den Rest rollen.
Entscheide dich — und bleib dabei. Ein mittelmäßig gelesener Putt mit voller Überzeugung ist besser als eine perfekte Linie mit Zweifel im Schlag. Zögern im Treffmoment verändert Tempo und Schlagfläche. Wie du diese Entschlossenheit trainierst, gehört ins Golf Mentaltraining — auf dem Grün zahlt es sich am schnellsten aus.
Kurze Putts sicher machen: Druck aus 1 bis 2 Metern rausnehmen
Der Meter-Putt ist technisch der einfachste Schlag im Golf — und trotzdem der Schlag mit dem größten Puls. Der Grund ist simpel: Hier gibt es keine Ausrede. Jeder erwartet, dass er fällt, auch du selbst.
Technisch gilt für kurze Putts: Linie schlägt Länge. Aus einem Meter kannst du fast jeden Putt fest und mittig durch den Break spielen. Wähle einen Punkt an der Rückwand des Lochs, putte entschlossen darauf und lass dem Ball keine Zeit zu brechen.
Gegen den Druck helfen drei Dinge:
- Eine feste Routine. Gleicher Ablauf, gleiche Anzahl Probeschwünge, gleiches Timing — bei jedem kurzen Putt, ob am ersten oder am achtzehnten Loch. Routine ist der Autopilot, der übernimmt, wenn der Kopf laut wird.
- Prozess statt Ergebnis. Dein Job ist nicht „lochen". Dein Job ist: Linie wählen, sauber ausrichten, ruhig pendeln. Das Ergebnis folgt aus dem Prozess — und nur den Prozess kannst du kontrollieren.
- Druck im Training simulieren. Wer kurze Putts nur locker nebenbei übt, kennt sie unter Druck nicht. Die Übungen im nächsten Abschnitt bauen genau diesen Druck gezielt ein.
6 Puttübungen für messbaren Fortschritt
Übungen wirken nur, wenn sie ein klares Ziel und eine Erfolgsmessung haben. Diese sechs decken Start-Linie, Längenkontrolle und Druck ab.
1. Tee-Gate (Startlinie). Stecke zwei Tees so ins Grün, dass dein Putterkopf mit wenigen Millimetern Luft hindurchpasst, etwa 30 Zentimeter vor dem Ball ein zweites Gate für den Ball. Putte durch beide Gates. Zehn saubere Durchgänge in Folge, dann Distanz erhöhen. Diese Übung erzwingt eine quadratische Schlagfläche und einen geraden Treffmoment.
2. Uhr-Drill (kurze Putts unter Druck). Lege vier Bälle im Abstand von einem Meter rund ums Loch — wie 12, 3, 6 und 9 Uhr. Loche alle vier, dann vier weitere aus 1,5 Metern. Verfehlst du einen, beginnst du von vorn. Durch die verschiedenen Positionen bekommt jeder Putt einen anderen Break.
3. Leiter-Drill (Längenkontrolle). Putte den ersten Ball etwa fünf Meter weit. Jeder weitere Ball muss am vorherigen vorbei, aber innerhalb einer Putterlänge dahinter liegen bleiben. Wie viele Sprossen schaffst du, bevor ein Ball zu kurz oder zu weit ist? Persönlichen Rekord notieren und beim nächsten Mal angreifen.
4. 4-Tee-Kompass (Lag-Putts). Stecke vier Tees als Quadrat mit rund zwei Metern Kantenlänge um ein Loch. Putte aus 8, 10 und 12 Metern je drei Bälle — jeder Ball, der im Quadrat oder im Loch endet, zählt als Treffer. Ziel: sieben von neun. Das ist die direkteste Anti-Drei-Putt-Übung überhaupt.
5. Nur-zum-Loch-schauen-Drill (Gefühl). Putte zehn mittellange Putts, während du ausschließlich zum Loch schaust, nicht zum Ball. Du wirst überrascht sein, wie gut deine Länge wird, wenn das Auge die Distanz direkt an die Hände meldet. Danach normal putten — das Gefühl bleibt.
6. Teppich-Gate für zu Hause. Kein Grün in der Nähe? Ein Tee-Gate oder zwei Bücher als Bande auf dem Teppich, drei Meter Zielpunkt, zehn Minuten am Abend. Startlinie und Pendelbewegung lassen sich zu Hause genauso trainieren wie auf dem Platz. Wer mag, filmt sich dabei gelegentlich von vorne — in der Break80-App siehst du in Zeitlupe sofort, ob dein Dreieck ruhig pendelt oder die Handgelenke heimlich mitarbeiten.
Deine Putt-Routine: gleicher Ablauf vor jedem Putt
Eine Routine ist keine Marotte, sondern ein Werkzeug. Sie sorgt dafür, dass du jeden Putt unter denselben Bedingungen spielst — egal ob Übungsgrün oder Matchentscheidung. Ein bewährter Ablauf in vier Schritten:
- Lesen: Von hinter dem Ball die Linie wählen, bei wichtigen Putts zusätzlich von der tiefen Seite. Entscheidung treffen — endgültig.
- Zwischenziel: Einen Punkt oder Fleck wenige Zentimeter vor dem Ball auf der Startlinie wählen. Über diesen Punkt richtest du die Schlagfläche aus — das ist präziser als das Zielen aufs Loch.
- Probeschwünge mit Blick zum Loch: Zwei Pendel, die die Distanz ins Gefühl laden.
- Ansprechen und los: Schlagfläche hinter den Ball, Stand einnehmen, ein letzter Blick zum Loch, putten. Nicht länger als drei Sekunden über dem Ball stehen — je länger du wartest, desto lauter wird der Kopf.
Der ganze Ablauf dauert keine 30 Sekunden. Übe ihn auf dem Übungsgrün bewusst mit, nicht nur die Schläge selbst. Auf der Runde soll er automatisch ablaufen.
Praxisplan: 2 × 20 Minuten Puttgrün pro Woche
Du brauchst kein tägliches Mammutprogramm. Zwei fokussierte Einheiten pro Woche reichen für sichtbaren Fortschritt — vorausgesetzt, sie haben Struktur.
Einheit 1 — Technik und Startlinie (20 Minuten):
- 5 Minuten Tee-Gate aus einem Meter, volle Konzentration auf Pendel und Schlagfläche
- 10 Minuten Uhr-Drill, jeder Putt mit kompletter Routine
- 5 Minuten freies Putten aus verschiedenen Distanzen als lockerer Abschluss
Einheit 2 — Längenkontrolle und Druck (20 Minuten):
- 5 Minuten Kalibrieren: lange Putts quer übers Grün, nur auf Länge achten
- 10 Minuten 4-Tee-Kompass aus 8, 10 und 12 Metern, Trefferquote notieren
- 5 Minuten Finale: Loche drei Ein-Meter-Putts in Folge, bevor du gehen darfst
Führe eine simple Strichliste: Putts pro Runde und Anzahl Drei-Putts. Diese zwei Zahlen zeigen dir schwarz auf weiß, ob das Training wirkt — und sie sind der stärkste Hebel, wenn du die 90 brechen willst. Nach vier Wochen wirst du den Unterschied nicht nur auf der Scorekarte sehen, sondern auch spüren: Lange Putts machen keine Angst mehr, kurze Putts fallen — und dein gesamtes kurzes Spiel profitiert vom neuen Selbstvertrauen auf dem Grün.